Qigong

Den ersten Kontakt mit dem chinesischen Übungssystem „Qigong“ hatte ich im Jahr 2010. In authentischer Umgebung lernte ich von Qigong-Meistern in Peking/China die Grundlagen der traditionellen chinesichen Medizin und in der Praxis drei verschiedene Formen des Gesundheits-Qigong: Ba Duan Jin (Die acht edlen Brokate), Wu Qin Xi (Das Spiel der fünf Tiere) und Yi Jin Jing (Die Wandlung des Gewebes). Vor Ort legte ich über die Chinese Health Qigong Association auch Prüfungen ab und erwarb den zweiten Duan. In Deutschland erlernte ich zusätzlich eine vierte Form des Gesundheits-Qigong, das Liu Zi Jue (Die sechs heilenden Laute).

In einzelnen Stunden, die ich bisher innerhalb von bestehenden Qigong-Kursen leitete, sammelte ich einige Erfahrungen in der Vermittlung der verschiedenen Qigong-Formen. Dies bot mir die Möglichkeit, meinen eigenen Vermittlungsstil in der Praxis zu finden. Nachdem der grobe Bewegungsablauf der Formen vermittelt und von den Teilnehmer beherrscht wird, gelingt es ihnen aus meiner Erfahrung heraus, sich über die ständige Wiederholung der Bewegungen mit Einbindung der Qigong-Musik, einen immer feineren und flüssigeren Bewegungsablauf anzueignen. Erst wenn die Formen flüssig durchgeführt werden können, schaffen es die meisten Teilnehmer, sich auch geistig auf Qigong einzulassen. Da einige Bewegungen durchaus einen hohen Koordinationsanspruch haben und einige Teilnehmer zu Beginn mit der Komplexübung überfordert sind, erachte ich es als sinnvoll, immer wieder lediglich Teilbewegungen durchführen zu lassen oder auch nur die Arme oder nur die Beine arbeiten zu lassen. Damit die Qigong-Übungen ihren Zweck erfüllen und gesundheitsfördernd wirken können, ist ein fehlerfreier Bewegungsablauf das erste Ziel und erst dann soll mit weiterführender Fehlerkorrektur auf Details eingegangen werden.

Diese Erfahrungen machte ich auch im Rahmen meiner Studie für die Diplomarbeit „Einfluss von aktivem und stillem Qigong auf die Gehirnaktivität und die psychische Befindlichkeit bei erwachsenen Anfängern und Fortgeschrittenen“, deren Ergebnisse auf der 39. Tagung „Psychologie und Gehirn“ in Würzburg veröffentlicht wurden. Im Rahmen der Studie leitete ich einen kompletten Kurs, in dem ich einige wenige theoretische Hintergründe, den Qigong-Stand als Grundlage und die Form Wu Qin Xi (Das Spiel der fünf Tiere) in 10 Zeitstunden (entspricht einem 10-wöchigen Kurs) an Anfänger vermittelte. Zusätzlich erlernten die Studienteilnehmer auch eine Sitzmeditation, die Bestandteil der Studie war. Alle Teilnehmer konnten die Qigong-Form nach bereits acht Stunden fehlerfrei praktizieren.

Bei meiner Tätigkeit als Sporttherapeut im klinischen Bereich habe ich es mit verschiedenen Indikationsgebieten zu tun. Folglich begegnen mir hier Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen körperlichen Einschränkungen. Das führt dazu, dass komplexere Qigong-Formen, wie sie oben genannt wurden, in der Kürze der Therapiezeit nicht so zu vermitteln sind, dass die Patienten davon profitieren würden. Deshalb vermittle ich im Rahmen der Rehabilitation einige Übungen der Qigong-Form „Shibashi“, die auch unter den Namen „Die 18 Übungen der Harmonie“ oder „Die 18 Übungen des Tai Chi Qigong“ bekannt ist.

Wie bei all meinen Trainertätigkeiten ist mir eine angenehme, ruhige Atmosphäre wichtig, in der die Teilnehmer mitwirken sollen und dürfen. Mir liegt die Interaktion zwischen Kursleiter und Teilnehmern mehr am Herzen als ein Frontalunterricht, in dem sich die Teilnehmer unterworfen fühlen. In der Interaktion baut sich ein vertrauensvolles und freundschaftliches Arbeitsklima auf, was allen Beteiligten zugute kommt.

Orgy