Peking (2010)

 

1. Teil: Sommerpalast (Yiheyuan) | Tian’anmen | Qianmen Dajie

 

Um den Sommerpalast (Yiheyuan) zu besuchen, fuhren wir in den Nordwesten Pekings. Hier, am Stadtrand, gab es jede Menge Zeit, das über 300 Hektar große Gelände zu erkunden und sich an das feuchtwarme Klima der Region zu gewöhnen. Schon bei den ersten Schritten entlang des Ufers des Kunming-Sees bzw. bei dem Blick über den See mit seinem regen Bootsverkehr, kann man sich gut vorstellen, warum der Kaiser diesen Ort bis vor 800 Jahren als Garten und zum Entspannen nutzte. Yiheyuan steht für „Garten des Friedens und der Harmonie“. Dies strahlt das Gebiet an vielen Stellen auch heute noch aus. Diverse Brücken, Pavillons, Hallen und Unmengen von Menschen gaben einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Tagen und Wochen erwarten sollte. Auch die Skyline von Peking, die man von der Erhebung, auf der der Sommerpalast erbaut ist, sehr gut erkennen kann, ließ Gutes erwarten.

Am selben Tag ging es zum Sonnenuntergang ins Stadtzentrum zum Platz des himmlischen Friedens (Tian’anmen-Platz). Hier standen wir zum ersten Mal vor dem Tor des himmlischen Friedens (Tian’anmen). Als Haupttor des Kaiserpalastes ist es gleichzeitig der Eingang zur Verbotenen Stadt. Nach kurzer Rast vor dem „Denkmal für die Helden des Volkes“ und dem Blick auf das „Mausoleum von Mao Zedong“ ging es weiter zum Qianmen-Tor vor der Qianmen Dajie, einer für die Olympischen Spiele 2008 neugebauten Einkaufsstraße in der Altstadt. Hier nahmen wir nur noch unser Abendessen zu uns, das wir zusammen mit unserem Übersetzer aussuchten. Wir lernten an diesem Abend kennen, wie und was man in China speist, und vor allem wie man bestellt. Eine Erfahrung, die man früh gemacht haben sollte, wenn man über Wochen von der Esskultur abhängig ist.

 

 

 

 

2. Teil: Himmelstempel (Tiantan)

 

Der Himmelstempel (Tiantan) stand ebenfalls im Fokus des China-Aufenthalts. Der Tempel liegt in Pekings Süden im Xuanwu-District inmitten einer großen Parkanlage. Er zählt mit zu den größten Tempelanlagen in Peking. Sicherlich ein prachtvolles, beeindruckendes und farbenprächtiges Bauwerk, doch beeindruckender fand ich das Leben innerhalb des Parks! Schon beim Betreten des Parks, noch bevor man den Himmelstempel erreicht, sieht man hier lebenslustige und tanzende Menschen. Es entstanden ganze Kleingruppen, da sich immer mehr Menschen einem Tanz anschlossen. Die Musik ertönte nicht aus einem Radio, sondern von einem Musiker oder einer kleinen Band. Drumherum saßen entspannte Chinesen, die zuschauten oder einfach ihr Leben genossen. Anderswo spielte man Jianzi, ein traditionelles asiatisches Spiel, bei dem man sich einen Fußfederball zuspielt. Diese Parkanlage strahlte so viel Ruhe aus und zeigte gleichzeitig die Lebenseinstellung der Chinesen. Imposant! Je weiter man durch den Park lief, desto mehr Tänzerinnen und Tänzer traf man. Sie tanzten mit Herz und Seele ohne sich Gedanken zu machen und vor allem ohne seltsam angeschaut zu werden, wie es in der westlichen Welt wohl der Fall wäre.

Der Himmelstempel hat seinen Namen deshalb, weil hier – kurz gesagt – der Kaiser einmal jährlich für eine gute Ernte betete. Die überaus große und hübsche „Halle der Ernteopfer“ diente dem Kaiser dazu, jedes Jahr nach der Ernte Tiere, Seide, Jade oder Dinge, die bei der Ernte nicht sehr ertragreich waren, zu opfern. Wie bei vielem in China steckt hinter der Konstruktion des Baus ein tieferer Sinn. Dieser steckt auch hinter der Konstruktion der tempelumgebenden doppelten Mauer. Während der Grundriss des Nordteils rund ist, hat der Südteil einen quadratischen Aufbau. Nach der alten Vorstellung wurde so Himmel und Erde symbolisiert.

Insgesamt bot der Ausflug einen wunderbaren Einblick in die stilvolle Tempelkultur, aber auch in das Leben der Chinesen.

 

 

 

 

3. Teil: Beijing Sports University | Wangfujing

 

Nach den Eingewöhnungstagen stand der erste von vielen Tagen an der Beijing Sports University auf dem Programm. Hier fand die QiGong-Ausbildung statt. Von der Größe der Universität ist man eigentlich schon fast überwältigt, wenn man durch den Eingang gelaufen ist. Vor einem baut sich ein riesiger Campus auf, auf dem sämtliche Sporthallen und -plätze liegen. Dies ist aber nicht der Campus der gesamten Universität, sondern lediglich der des Fachbereichs Sport. Von diesen Ausmaßen kann man in Deutschland nur träumen.

Die Universität hat den Status einer Eliteuniversität an der 15.000 StudentenInnen eingeschrieben sind. Sie bietet mit ihren 7 Hochschulen, 2 Elite-Sportschulen, 25 Trainingshallen, 39 Trainingsplätzen und 59 Forschungslaboren auch ausreichend Platz für alle Studierenden. Breite Straßen zwischen Leichtathletikplatz und -halle, Tenniskomplex, Badmintonhallen, Turn- und Gymnastikhallen, Basketballplätzen und den Ausbildungsgebäuden unterstreichen die Größe des Geländes. Mit parkähnlichen und bepflanzten Grünflächen inklusive Brunnen hat es sogar einen Wohlfühlcharakter, das Unmengen von Ruhe ausstrahlt. Der Campus beinhaltet eigene Supermärkte und die Mensa, in der zusätzlich ein eigenes Restaurant liegt. Dass in China alles etwas größer ausfällt, dass war für mich nicht neu, aber mit diesen Größenverhältnissen hätte ich nicht gerechnet. Eine unglaubliche Erfahrung, wenn man deutsche Universitäten kennt.

Am Nachmittag bzw. Abend ging es zur Wangfujing. Sie ist eine der bekanntesten Einkaufsstraßen der Stadt. In einer Nebenstraße findet sich der Donghuamen-Markt, auf dem – zumindest für die westliche Welt – ungewöhnliche Dinge angeboten werden. So waren die Skorpione am Spieß, die teilweise noch lebten, eine Hauptattraktion. Sie werden erst zubereitet, wenn jemand einen solchen Spieß bestellt. Auch Seesterne und Seepferdchen am Spieß gehörten mit zur Essensauswahl. Später sah man noch Vogelspinnen, Maden und Frösche aufgespießt liegen. Bis ich tatsächlich jemanden sah, der die Skorpione aß, habe ich nicht daran geglaubt, dass so etwas gegessen wird. Seegurken, gehäutete Vögel und andere nicht ganz identifizierbare Tiere komplettierten das Buffet. Dem Einen oder Anderen wurde vom Anblick der Spieße oder auch vom sehr gewöhnungsbedürftigen Geruch auf dem Markt übel. Natürlich gab es aber auch Stände, wo es mal Obst oder eine Joghurtspezialität zu kaufen gab, doch die waren eine Ausnahme. Der Besuch des Donghuamen-Marktes ist vor allem in den Abendstunden empfehlenswert! So ließen wir den Tag auf der Einkaufsstraße ausklingen und waren voller Erwartungen, womit uns die Stadt in den nächsten Tagen noch überrascht.

 

4. Teil: QiGong | Qianmen Dajie

 

Ein weiterer Tag an der Beijing Sports University. Nach viel Praxiserfahrung ging es nun auch um die Theorie und Philosophie, die hinter dem QiGong bzw. der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) steckt. Unser Übersetzer tat sein Bestes, die Sprachbarriere klein zu halten und die vielen chinesischen Schriftzeichen an der Tafel für uns lesbar zu machen. Für alle Beteiligten keine einfache Situation, aber letztlich bekamen wir die Informationen, die wir benötigten.

Am Nachmittag kehrten wir zur Qianmen Dajie zurück. Diesmal im Hellen und nicht nur auf der Suche nach etwas zu essen. Wir schlenderten durch die im August 2008 wiedereröffnete Einkaufsstraße und gingen in das ein oder andere Geschäft. In dieser 840 m langen Straße, die durch den Umbau den Stil der 1920er Jahre zurückbekommen hat und nun zur Fußgängerzone ernannt wurde, finden sich Geschäfte wie H&M, Zara, Jack & Jones, New Balance, einen Nike-Store, einen Olympia-Shop, diverse Tee-Läden, McDonald’s und Starbucks. Die Auswahl der Geschäfte deutet schon darauf hin, wie groß der Einfluss der Olympischen Spiele 2008 beim Umbau des gesamten Bezirkes war. Später am Abend machten wir den Vergleich zwischen chinesischem und deutschem McDonald’s. Ich hätte es nicht geglaubt, aber die Hamburger schmecken tatsächlich anders und die Pommes Frites sind qualitativ auch eher minderwertiger.

In der Dunkelheit traten wir den Rückweg an und durch die Beleuchtung zeigte sich ein beeindruckendes Bild in der Fußgängerzone. Eine der letzten U-Bahnen, die oft nur bis 21 Uhr verkehren, fuhr uns zurück zum Hotel im Haidian-District.

 

5. Teil: Silk Street

 

Die Besichtigung führte uns in ein anderes Peking. Nach sehr vielen traditionellen Bauten zeigte sich im nordöstlich liegenden Stadtbezirk Chaoyang das sehr moderne Peking. Abgesehen davon, dass es der Bezirk mit der zweithöchsten Einwohnerzahl ist, finden sich hier sehr viele Botschaften. Deshalb ist es als Diplomatenviertel gelistet. Im gleichen Bezirk befindet sich auch das Geschäftsviertel mit dem China World Trade Center. Der Smog behinderte am Nachmittag die Sicht erheblich, aber es war trotzdem eine beeindruckende Skyline. Zwischen den vielen Hochhäusern fühlte man sich wirklich klein.

Wir steuerten dann aber auch sehr bald auf die Silk Street bzw. den Silk Market zu. Dieses Einkaufszentrum öffnete im Jahr 2005 seine Türen. Über 1.700 Einzelhändler verkaufen hier auf engstem Raum, Stand an Stand, ihre Waren, kämpfen um Kaufklientel, das sie sich gegenseitig abwerben und handeln mit ihm, bis zum Umfallen. Teilweise wird man gar nicht mehr losgelassen, bis man die entsprechende Ware für fast geschenkt erworben hat. Es ist nicht von der Hand zu weisen und auch bekannt, dass hier fast alle Artikel „counterfeits“ sind. Je nachdem, welchen Preis man beim Handel ansetzt und wie weit man ihn drückt, bekommt man entweder nachgemachte oder originale Produkte. Die nachgemachte Ware ist täuschend echt und kaum vom Original zu unterscheiden. Unglaublich.

Nach dieser Erfahrung, die uns viele Nerven kostete, weil wir ständig an einen Stand gezogen wurden, obwohl wir gar nichts kaufen wollten, schlenderten wir in der Dunkelheit noch durch den Bezirk und fuhren wieder mit einer der letzten U-Bahnen ins Hotel.

 

6. Teil: Verbotene Stadt (Gugong) | Hutongs

 

Nachdem wir schon diverse Male vorbeigelaufen und -gefahren sind, ergab sich die Zeit, nun auch mal in die sehr gut bewachte Verbotene Stadt im Pekinger Stadtzentrum zu schauen. Bis 1911 lebten und regierten die chinesischen Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien hier. Im Gegensatz zur früheren Zeit, in der die einfache Bevölkerung keinen Zutritt zu ihr hatte, wodurch sie auch ihren Namen bekam, steht die Verbotene Stadt heute der Bevölkerung offen. Das 72 Hektar umfassende Gelände ist entsprechend weitläufig und beinhaltet neben dem Kaiserpalast 890 Paläste und Unmengen von Pavillons. Auf mehrere Gebäudekomplexe aufgeteilt, ergibt das insgesamt 9999 Räume. Vom Süd- zum Nordtor durchläuft man auf einen knappen Kilometer die drei Teile der Verbotenen Stadt: den Außenhof (Waichao), die inneren Gemächer (Neiting) und den kaiserlichen Garten.

So schön und stilvoll die gesamte Anlage auch ist, mit der Zeit sieht alles gleich aus. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der Menschenmassen beschleunigten wir während der Besichtigung das Gehtempo um außerhalb der Verbotenen Stadt auf dem nördlich gelegenen Kohlehügel (Jingshan) bzw. im Jingshan-Park etwas Ruhe zu finden. Nicht nur der genussvolle Aufstieg durch den Kieferwald und die Zypressen, sondern auch der grandiose Ausblick auf dem Hügel sorgten für unglaubliche Entspannung. Von hier hat man einen optimalen Überblick über die Verbotene Stadt und kann bei klarer Sicht bis weit in die Stadt schauen.

Den Abend ließen wir auf einer Dachterasse einer Bar in den traditionellen Hutongs nahe des Kaiserpalastes ausklingen. An den „hinteren Seen“ Xihai, Houhai und Qianhai bekamen wir das Nachtleben mit, bevor wir uns auf den Rückweg machten und das wunderschöne Farbenspiel auf der Wasseroberfläche mitnahmen.

 

7. Teil: Olympiazentrum

 

Ein für einen Sportler aufregender Tag stand an: eine Führung über das Olympiagelände. Wir bekamen exklusive Einblicke in die Ringer- und Tennishalle, in das riesige Fecht-Trainingszentrum, in eine der vielen Badmintonhallen und in die Trainingshalle der Schwimmer, in der teilweise Ausscheidungsrunden bei den Olympischen Spielen 2008 geschwommen wurden. Hier standen wir auch im VIP-Bereich und hatten so besten Überblick über die Halle. Anschließend ging es weiter zum Olympic Green auf dem unter anderem das Nationalstadion („Vogelnest“) und das nationale Schwimmzentrum („Water Cube“) stehen. Im Water Cube bekamen wir sehr viel zur Bauweise mit seiner Wabenstruktur erzählt, ehe wir im Olympiastadion genug Zeit hatten, die Atmosphäre aufzusaugen. Mit mittlerweile „nur“ noch 80.000 Plätzen (zu den Olympischen Spielen waren es 91.000 Plätze) trotzdem noch eines der größten Stadien, in denen ich gestanden habe. Die Architektur des Vogelnestes und auch des Water Cubes ist in der Tat einzigartig und einen Besuch wert!

In allen besichtigten Gebäuden war wieder die Übergröße der chinesischen Bauwerke zu bewundern. Riesige Hallen und Stadien; in einigen fand Training statt, wo mir dann auch klar wurde, warum die Hallen solche Ausmaße haben. Die Menge der Kinder und Sportler in diesen Hallen kann man sich nicht vorstellen, bis man es wirklich live gesehen hat. Als Sportler habe ich viele Hallen und Trainingsgelände gesehen, aber auch dies war wieder ein beeindruckender Tag für mich.

 

8. Teil: Yonghe-Tempel (Lamatempel) | Beihai-Park

 

Der Yonghe-Tempel oder auch Lamatempel liegt im nordöstlichen Teil der historischen Altstadt im Bezirk Dongcheng. In diesem Bezirk waren wir schon, als wir die Wangfujing besuchten. Heutzutage ist die Tempelanlage ein lamaistisches Kloster und sie ist gleichzeitig eine der größten lamaistischen Anlagen außerhalb von Tibet. Wir erfuhren, dass es in dieser Tempelanlage immer noch Mönche gibt und sie eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen – und ich wurde nicht enttäuscht. Sehr viele Menschen gingen ihren Gebeten mit Räucherstäbchen nach, sodass über der gesamten Anlage ein angenehmer Duft lag. Er wurde seinem Namen „Palast des Friedens und der Harmonie“ somit mehr als gerecht. Zwar war auch dieser Tempel gut besucht, jedoch war er nicht überlaufen, sodass man den Aufenthalt wirklich genießen und die Atmosphäre aufsaugen konnte. In der „Halle des Unendlichen Glücks“ findet sich eine 18m hohe Buddha-Statue, die aus einem einzigen Baum geschnitzt wurde. Der Dalai Lama schenkte sie dem Kaiser für den Bau des Yonghe-Tempels. Ein weiteres überdimensionales Kunstwerk chinesischer Geschichte.

Nach einer kurzen Überlegung, wie wir den Nachmittag bzw. Abend ausklingen lassen, entschieden wir uns dafür, die Ruhe aus dem Tempel mit nach draußen zu nehmen. Wir steuerten den Beihai-Park an, in dem wir einfach nur in der Sonne auf einer Wiese am Beihai-See saßen und dem Sonnenuntergang zuschauten. Noch bevor es dunkel war, gingen wir hinüber zur Jadeinsel, hoch auf den Hügel, auf dem die „Weiße Pagode“ steht, und sahen von dort die Sonne am Horizont verschwinden.

 

9. Teil: Xicheng District | Olympiazentrum bei Nacht

 

Am Nachmittag ging es für uns mit der U-Bahn in den Stadtteil Xicheng. Übersetzt heißt das nichts anderes als „westlicher Stadtteil“. Er gehört zu den vier Stadtteilen, die ehemals den historischen Altstadtkern bildeten. Wir hörten, dass sich der Besuch des Aquariums lohnen soll, weshalb wir uns auf den Weg machten. Die Schwierigkeit lag für uns beim Finden des Aquariums, viel mehr aber noch darin, jemanden zu finden, der uns verständlich erklären kann, wo der Eingang liegt. Das spärliche Englisch der Chinesen half uns kaum weiter. Nachdem wir viel vom Bezirk gesehen hatten, fanden wir den Eingang. Allerdings lohnte sich die Besichtigung so kurz vor der Schließung nicht mehr, weshalb wir uns wieder auf den Weg dahin machten, wo wir herkamen und dabei einen neuen Plan schmiedeten.

Dieser war, das Olympiazentrum bei Nacht zu besichtigen, da das Stadion und der Water Cube in buntem Licht stehen sollten. Wir überbrückten die Zeit bis zur Dunkelheit mit Sushi essen und im sehr stilvoll eingerichteten Charlie Brown-Cafe in Bezirk Haidian, ehe wir uns zum Olympic Green weiter bewegten. Dort wurden wir nicht enttäuscht! Ein imposantes Lichtspiel am Water Cube und eine ebenso beeindruckende Beleuchtung des „Vogelnestes“ zog uns für lange Zeit in den Bann. Die warmen Nachttemperaturen gaben uns viel Zeit auf dem Olympic Green, wo wir in aller Ruhe den Tag ausklingen ließen.

 

10. Teil: Chinesische Mauer – Badaling (Wanli Changcheng)

 

Nachdem in den letzten Tagen jeder auf eigene Faust Peking erkunden konnte, stand jetzt ein gemeinsamer Ausflug nach Badaling an. Hier steht der bekannteste restaurierte Abschnitt der chinesischen Mauer. Von Peking aus fährt man zirka 70 Kilometer nach Nordwesten. Dort hatten wir ausreichend Zeit um über die Mauer zu laufen, die früher das chinesische Kaiserreich vor Eindringlingen aus dem Norden geschützte.

Schon vom Parkplatz aus bekamen wir einen Eindruck von der Größe der Mauer. Der Aufstieg war steil, die Stufen teilweise kniehoch. Wer dachte, dass das ein Spaziergang wird, wurde schnell eines besseren belehrt. Wir hatten überragendes Wetter und am Vormittag schon wieder die üblichen hohen Temperaturen. Aber wir hatten einen grandiosen Fernblick, weil sich der Smog in Grenzen hielt. Für mich war der Aufstieg der reinste Genuss. Zwar war der Mauerabschnitt mit Touristen überfüllt, aber durch die Größe, zog sich die Menge auseinander und man hatte zwischendrin immer wieder Zeit, den Blick von oben herab auf die Landschaft allein zu genießen.

Nach etwa 2,5 Stunden Aufenthalt zog unsere Gruppe weiter. Wir wurden am Jade-Museum, das am Stadtrand von Peking liegt, abgesetzt, wo wir eine Führung und Informationen zur Jade-Kultur bekamen. Das Museum beherbergt die größten Jadeskulpturen der Welt. Nach einem Mittagessen im Restaurant des Museums, das eine 2 Liter Cola-Flasche beinhaltete, die aufgrund von Ungeziefer auf dem Esstisch aufs Haus ging, fuhren wir weiter zu den Ming-Gräbern. Diese liegen in Changping, einem Bezirk im Nordwesten von Peking. Es klingt seltsam von einem Pekinger Bezirk zu reden, wenn man weiß, dass die Ming-Gräber etwa 50 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegen, dennoch gehört er dazu. Auch hier bekamen wir eine Führung und zu viele Informationen zu der Begräbnisstätte der Kaiser der chinesischen Ming-Dynastie.

Zu guter Letzt hatten wir noch ein weiteres Ziel in Peking. Wir fuhren von den Ming-Gräbern in die Stadt, um dort in einem Teehaus an einer kleinen Verkostung teilzunehmen. Hier gab man sich ebenfalls Mühe, uns etwas über Tee und seine Zubereitung zu erzählen. Eine nette Sache zum Abschluss eines langen und informationsreichen Tages!

 

11. Teil: Beijing Aquarium (Beijing Haiyangguan)

 

Da wir beim letzten Besuch im Xicheng District nicht mehr pünktlich ins Aquarium kamen, fuhren wir erneut dorthin. Diesmal nahmen wir jedoch den Bus und fuhren etwas über 1 Stunde bis fast vor den Eingang des Aquariums. Obwohl es zum Zoo gehört, hat es einen separaten Eingang, was bei der Größe des Zoos auch besser so ist. Das Beijing Aquarium gilt mit 12 Hektar als das größte Aquarium der Welt und es erfreut sich größter Beliebtheit. Wir trafen auf einen Massentourismus ähnlich wie in der Verbotenen Stadt. Lediglich der Altersdurchschnitt lag um einiges niedriger. Neben den zu besichtigenden Meerestieren versteht sich das Aquarium gleichzeitig als Bildungs- und Unterhaltungsstätte. Es ist thematisch aufgebaut. So beginnt die Reise beispielsweise im künstlich angelegten Regenwald, der es atmosphärisch sicherlich geschafft hätte, wenn die Menschenmengen nicht gewesen wären.

Glaubt man den Menschen und Reiseberichten, stellt die Delphin- und Robbenshow ein besonderes Highlight dar. Trotz dem während der Vorführung Musik von den „Prinzen“ lief, enttäuschte uns die Show sehr. Den Ablauf und Inhalt der Show hätten wir uns qualitativ hochwertiger gewünscht. Was die Delphintrainer und Robbendompteure erzählten, wissen wir bis heute nicht, denn auf das internationale Publikum wird keine Rücksicht genommen. So war mein Fazit, dass die gesamte Show sehr unter dem Massentourismus leidet. Da die Chinesen das größte Touristenklientel stellen, ist auch alles darauf ausgerichtet. Der Eindruck vom Aquarium selbst: modern, groß, aber nichts Besonderes.

 

12. Teil: Alte Beijing-Hutongs (Altstadt)

 

Einige Gesichter der Stadt Peking hatten wir in den vielen Tagen unseres Aufenthalts schon gesehen, eines fehlte aber noch: die wirklich Altstadt. Sehr früh erfuhren wir davon, dass die Altstadt zwei Seiten hat. Auf der einen Seite die Altstadt, die für die Olympischen Spiele hergerichtet wurde, auf der anderen Seite der Teil, in dem Armut und Elend das Leben bestimmt.

Wir begannen in der wiederaufgebauten Altstadt und tasteten uns von hier aus über noch recht belebte und von Geschäften umgebende Straßen langsam an die unbelebteren Teile heran. Dort wo das Geld noch vorhanden ist, wird es auch kräftig ausgegeben. Nach dem Überqueren einer größeren Straße änderte sich das Bild aber sofort. Die Straßen wurden kleiner, dreckiger und der Geruch übler. Hier wurde es mir zum ersten Mal unangenehm zu fotografieren (weshalb ich es dann auch bald ließ), denn die Leute, die auf den Straßen vor ihren kleinen verkommenen Wohnungen hockten, besaßen nichts, während ich mit Markenkleidung und Spiegelreflexkamera ihr Wohngebiet durchlief. Ein ganzer Straßenzug scheint sich hier eine einzige Toilette zu teilen. Blicke in die abgehenden Gassen lassen nur erahnen, mit wie wenig Mitteln und Besitz die Menschen hier leben. Bestenfalls bekommt man hier ein Fahrrad zu Gesicht. Dementsprechend ruhig ist es auch gewesen. Dies war ein erschreckendes Bild für mich, aber es ließ mich auch über das Leben nachdenken.

Einzelne Menschen versuchen hier etwas Geld zu verdienen, indem sie Touristen, die sich in ihr Gebiet begeben, Kalligrafie anbieten. Kleine Zettel an Fensterscheiben machten darauf aufmerksam und obwohl ich auf der Suche nach einem Kalligrafen war, schreckte es mich ab, dies dort machen zu lassen. Zu oft hatten wir erlebt, dass sich die Kommunikation mit den Chinesen schwierig gestaltet. Und dies schon in Bezirken, wo die Menschen Bildung genießen und arbeiten. Wie soll es erst in einem ärmeren Viertel sein und wie soll man jemandem, der kein Englisch versteht, zu verstehen geben, was er schreiben soll?! Die Frage wurde mir beantwortet, als wir wieder in die moderne Altstadt kamen, denn hier fand ich ein Kunstgeschäft, dass Kalligrafie anbot. Nach ersten Verständigungsproblemen, griff der Mitarbeiter zum Laptop und wir kommunizierten über Google Translate. Wie sich herausstellte, war der Meister für ein paar Tage verreist, weshalb ich das Angebot des Ladens nicht annehmen konnte, denn unser Abflug stand schon kurz bevor.

Nach diesen Eindrücken endete der Tag in der schon oft gesehenen und abends sehr belebten Qianmen Dajie.

 

 

 

 

 

 

13. Teil: Beihai-Park

 

Ein Wiedersehen mit dem Beihai-Park. Er liegt nordwestlich des Kaiserpalastes. Der See „Beihai“ (Nordsee), der innerhalb dieses sehr typischen chinesischen Gartens liegt, gehörte zusammen mit zwei anderen Seen bis zur Ming- und Qing-Dynastie zur Verbotenen Stadt. Wir kamen wieder, weil wir ein chinesischen Teehaus besuchen und dort bei einem Tee entspannen wollten.

Uns war absolut nicht nach Bewegung zumute und dennoch brauchten wir sehr lange und einige hundert Meter, bis wir ein Teehaus gefunden hatten. Es lag direkt am See, hatte ein eigenes Boot, das normalerweise auch von Gästen genutzt wird und eine kleine Terasse auf der wir uns niederließen. Die Bedienung verstand kein Englisch, was es arg schwierig machte, zu bestellen. Sie holte den Chef, der gutes Englisch sprach und uns die Teesorten erklärte. Wir entschieden uns zügig und bestellten „Oolong Tee“. Während einer Unterhaltung sah ich urplötzlich den Preis des bestellten Tees vor dem inneren Auge. Nach kurzer Rücksprache, wieviel Geld wir zu zweit zusammenbekommen, stellten wir einerseits fest, dass es ausreicht und andererseits, dass wir gerade Tee für umgerechnet 50 Euro bestellt hatten. Wir wussten nicht, wieviel Tee wir für diesen Preis bekommen würden, aber als die Prozedur anfing, wurde schnell klar, dass es nicht allzu viel werden würde. Wir tranken aus Miniaturschalen. Zwar wurde immer neu aufgebrüht und nachgeschenkt, aber die Gesamtmenge an Tee pro Person lag letztlich zusammengerechnet bei etwa 1-1,5 Pötten. Irgendwie hatten wir den Preis bei der Bestellung überhaupt nicht wahrgenommen, aber wir hatten scheinbar einen ziemlich edlen Tee bestellt. Er war auch vorzüglich, aber noch mal würde ich freiwillig wohl keinen Tee für 50 Euro bestellen. Ich nahm das so hin, denn schließlich wollte ich in ein Teehaus. Bei der Bezahlung kam dann noch eine Wasser- und Servicegebühr dazu und unser Geld reichte nicht mehr aus. Glücklicherweise konnten wir dies dem Chef auch deutlich machen und er hatte ein Herz. Er erließ uns einen kleinen Teil, sodass wir insgesamt etwas über 60 Euro in diesem Teehaus ließen. Wir saßen bis zur Dunkelheit auf der Terasse, ließen die vergangenen Wochen Revue passieren und erfreuten uns, soweit es ging, an der Atmosphäre am See im Park. Ein ungewöhnlicher Tagesabschluss so kurz vor der Abreise.

Noch heute denke ich an diesen Tag und er wird auch nicht so schnell aus meinem Gedächtnis verschwinden. Sogar ein Lächeln erscheint auf meinem Gesicht, wenn ich mir diese Situation im Beihai-Park ins Gedächtnis hole. Diese Erfahrung macht schließlich nicht jeder.

 

 

 

 

14. Teil: Rückflug | Doha (Qatar)

 

Mitten in der Nacht traten wir den Rückflug an. Durch ein Kommunikationsproblem waren wir viel zu früh am Flughafen in Peking, sodass wir uns dort viel Zeit vertreiben mussten. Kurzerhand fingen wir an „Jianzi“ zu spielen und den riesigen Terminal zu besichtigen, der Ruhezonen in Form von Pavillons und Miniaturseen bereithält. Es herrschte wenig Bewegung im Terminal und viele Geschäfte hatten bereits geschlossen.

Später nahmen wir unseren Flug nach Frankfurt auf uns. Dabei hatten wir, wie schon auf dem Hinflug, eine Zwischenlandung in Doha (Qatar) mit viel Umsteigezeit. Über Dubai fliegend, sah ich unter der Wolkendecke die bekannte künstlich angelegte Insel „The Palm, Jumeirah“. Bis dato hörte ich nur von ihr bzw. sah sie öfter in den Medien. Nun flog ich über ihr. Wir kamen kurz nach Sonnenaufgang in der Wüste in Doha an. Extrem beeindruckend waren schon die kleinen Lehmhäuschen, die als Wohnungen mitten im Nirgendwo standen, doch als wir aus dem Flieger stiegen und der Bus uns über das Rollfeld fuhr, war ich verblüfft und sprachlos. Um 6 Uhr früh hatte es dort schon knapp über 30 Grad Außentemperatur und die noch tiefstehende Sonne erschien mir riesig. ich kann mir bis heute nicht vorstellen, wie die Menschen dort ihr Leben gestalten.

Nach einem Kaffee auf dem völlig überfüllten Flughafen in Doha ging es dann weiter. Zwar konnte ich immer mal wieder Fotos aus dem Flugzeug machen, doch mir ging es durch eine in den letzten Tagen in Peking eingefangene Erkältung nicht so gut, weshalb ich den Großteil des Fluges nur schlief. Der Flug verlief problemlos und das Jetlag folgte in den nächsten Tagen.

Orgy