31.05.2017. Mit dem Regen am Loch Lomond fielen auch die Temperaturen in der Nacht. Scotty lässt uns in seinem Inneren allgemein sehr gut schlafen, aber an diesem Morgen trieb uns aufgrund seiner Kälte nichts aus den Betten. Ich musste deshalb Techniken entwickeln, Kleidung vorzuwärmen, ohne dabei das Bett zu verlassen. Das geht ganz gut, wenn man die Klamotten für den kommenden Tag bereits am Fußende des Bettes liegen hat und noch unter der Decke in die Kleidung schlüpft. Zugegeben, das grenzt schon an Höchstleistung in Bezug auf seine individuelle Beweglichkeit, aber es hilft, wenn man ein Problem mit Kälte hat.

Nach der morgendlichen Routine um Körperpflege, Nahrungsaufnahme und Wohnmobil startklar machen war unsere heutige erste Station auf einer doch recht langen Tour-Etappe der Ort Luss am anderen Ufer des Loch Lomond. Diese kleine Ortschaft haben wir vor 6 Jahren schon lieben gelernt. Wunderschöne kleine Cottages und ein tolles Teehaus zogen uns damals in den Bann. Also führte kein Weg daran vorbei, auch dieses Mal wieder einen Zwischenstopp einzulegen. Während wir im September 2011 wenig Gesellschaft hatten, stießen wir heute auf Massentourismus, wie man ihn vom Königssee oder aus Hallstatt kennt. Das störte uns allerdings kaum, denn was wir suchten, waren Müslischalen, die bisher nicht zu unserer Wohnmobilausstattung gehörte. Wir wurden fündig und sind jetzt im Besitz von echtem schottischen Porzellan.

Unser Weg führte uns weiter durch den Argyll Forest Park mit wunderschönen Tal- und Bergblicken bis in das Kilmartin Glen und nach Kilmartin. Am Vortag fragten wir uns noch, weshalb wir diesen Ort in unser Programm aufgenommen haben. Manche Dinge vergisst man ja über die Zeit. Wir fanden heraus, dass sämtliche Reiseführer das Kilmartin Glen als besonders schön beschreiben, wir kurz vor dem Ort Kilmartin auf „Standing Stones“ (die man in Schottland mal gesehen haben muss) und Hügelgräber treffen werden sowie an der Kirche von Kilmartin eine der besten Sammlungen mittelalterlicher Grabplatten zu sehen bekommen. Wir fahren also nicht nur zum nächsten Ort, sondern auch durch eine Region mit Historie: wir reden hier von Hinterlassenschaften aus der Neolither- und der Bronzezeit. Ich persönliche empfinde es immer als besonders, an solch alten Stätten zu stehen und die Atmosphäre zu spüren.

Das letzte Teilstück unserer heutigen Tour führte an den Zielort Oban. Dort hatten wir am Vortag einen schönen Campingplatz ausgemacht, auf den wir zusteuerten. Kurz vor dem Ziel fing uns ein Mann ab, der uns erklärte, dass die Straße zum Campingplatz schon länger gesperrt ist und seine Aufgabe sei, den Verkehr an dieser Stelle entsprechend abzufangen bzw. umzuleiten. Etwa 15 Minuten waren wir im Zwiegespräch, in dem dieser freundliche Schotte uns auf unserem Navi, den neuen Weg erklärte. Wir bedankten uns und fanden den Weg schnell. Eine sehr schmale Straße führte eine Anhöhe hinauf, wo wir dann auch gleich auf den sehr schön angelegten und ruhigen kleinen Campingplatz trafen.

Der Besitzer begrüßte uns freundlichst, aber mit einer ruhigen und eher wortkargen Art. Dies meine ich keineswegs negativ. Gemütlichkeit gehört hier in Schottland ganz sicher zur Lebensphilosophie. Der Rest des Abends war wieder Routine. Stellplatz einrichten, Strom anschließen, Platz erkunden, ausspannen, kochen, Tagebuch schreiben und den neuen Tag planen. Dies wird bitter nötig, da wir nach einem super sonnigen und warmen Tag für morgen Dauerregen und Sturmböen erwarten und die Isle of Mull als nächstes Ziel auf der Kippe steht. Warten wir es ab.

Stellplatz

Preis

£24

1 Stellplatz inkl. Strom
für 2 Personen

Route

Tageskilometer

192

Zwischenstopps

Luss
Rest and Be Thankful
Kilmartin Glen