13.06.2017. Ich habe wirklich lange überlegt, wie ich diesen heutigen Tag kurz zusammenfassen oder an dieser Stelle einleiten kann. Ganz leicht fällt es mir noch immer nicht, eine passende Eröffung zu finden, denn es spielen hier Emotionen mit rein, die man in einem Urlaub nicht braucht. In einem Satz ausgedrückt, findet unsere Entspannung ausgerechnet am letzten Tag unseres Schottland-Aufenthaltes ihr Ende und führt gleichzeitig bei einem von uns zur Erschöpfung, beim Anderen zur Aggression. Schuld daran ist man natürlich irgendwo selbst, weil man sich der Situation hingibt und sich hereinsteigert, aber die Ursache war eine einfache Straßensperrung kurz vor unserem Zielort. Arbeiten wir das an dieser Stelle erst einmal mal auf.

Unser Tag stand im Zeichen der Ruhe und Entspannung. Zum Urlaubsabschluss zog es uns in den äußersten Südwesten von Schottland. Dort liegt der Logan Botanic Garden, der so etwas wie ein Geheimtipp in Schottland ist, wenn man ein Botanik-Liebhaber ist. In keinem unserer vielen Reiseführer ist der Logan Botanic Garden genannt und dennoch ist er schon seit Beginn unserer Planungen ein Reiseziel. Bereits gestern schrieb ich kurz davon, dass dies der exotischste Garten in Schottland ist. Das begründet sich über den Einfluss des Golfstromes auf die gesamte Region und die dort wachsenden Bäume und Pflanzen aus aller Welt.

Von unserem Campingplatz in Culzean benötigten wir etwa 80 Minuten bis zum Logan Botanic Garden. Die Straße führte lange Zeit an der Westküste entlang und zwischenzeitlich erinnert wenig daran, dass man sich in Schottland befindet. Das muss der Süden und der Südwesten einfach an sich haben, denn wenn ich mich an die Anfahrt erinnere, bei der wir den Süden bereits sahen, dann hatte ich dort ähnliche Eindrücke gesammelt. Das Wetter war heute sonnig bis wolkig, recht warm und somit perfekt um einerseits die Küstenstraße zu genießen und andererseits einen angenehmen Aufenthalt im Botanischen Garten zu haben. Sehr beeindruckend auf der Fahrt war für mich der Blick auf die Felsinsel Ailsa Craig, die wenige Kilometer vor der Küste einsam im Firth of Clyde liegt. Früher war die Insel bewohnt, was ich mir bei der Landbeschaffenheit heute nur schwer vorstellen kann, aber wenn man sich die Geschichte anschaut, stößt man schnell darauf, dass die Insel ein Zufluchtsort für Menschen während der schottischen Reformation war. Heute ist sie unbewohnt und der sich dort befindliche Leuchtturm läuft im Automatikbetrieb.

Wir ließen auf der Fahrt den Ort Stranraer rechts liegen und fuhren auf dem schnellsten Wege zum Botanischen Garten, denn wir hatten nach dem Besuch noch einmal knapp 2 Stunden Fahrt zu unserem letzten schottischen Campingplatz vor uns. Am Ziel angekommen, gab es, wie fast bei allen größeren Sehenswürdigkeiten in Schottland, einen Extra-Parkplatz für Busse und Wohnmobile. Auf diesem standen ausschließlich Pkws, trotz allem fanden wir einen Stellplatz für uns. Wir starteten im botanischen Garten mit dem Discovery Center, welches neben einer Ansammlung von Palmenarten steht. Nach einigen Grundinformationen durch einen kurzen Film über den Garten, schlenderten wir durch den Walled Garden und durch Mammutblätter, die auch Riesen-Rhabarber genannt werden. Anschließend ging es weiter durch die Woodlands, in denen vor allem Baumarten aus Australien, Tasmanien, Neuseeland und Chile stehen. Schon ein wenig befremdlich für mich, Bamabus in Schottland wachsen zu sehen. Aber immerhin erinnern Palmen und Bambus wenigsten ein bisschen an Sommerurlaub und lassen uns für den Moment die kalten Tage im Norden vergessen.

Nach dem Besuch des kleinen Gewächshauses und einer Rast auf einer Bank mit Blick auf Palmen machten wir uns langsam auf den Weg nach Galloway bzw. Rockcliffe, wo unser Campingplatz am Wasser auf uns wartete. Und hier beginnt das, was ich oben bereits andeutete: etwa 20 km vor unserem Ziel brachten uns Bauarbeiten auf einer Querstraße, die wir zu fahren hatten, auf eben jene Palmen, die wir zuvor sahen. Wir freuten uns bereits auf eine zeitige Ankunft und etwas Entspannung auf unserem Stellplatz. Was wir aber stattdessen erlebten, war eine einstündige Irrfahrt um die Zufahrt zum Campingplatz zu finden. Der Ort Dalbeattie wird mir ewig in Erinnerung bleiben, denn es schien unmöglich wegen seiner Baustelle nach Rockcliffe zu kommen. Weder Scottys Navi noch die offiziellen Umleitungsschilder führten uns auf einen entsprechenden Weg. Als wir dann doch irgendwann eine Zufahrt fanden, erlebten wir Straßen, die wir aus den tiefsten Highlands kannten, aber ganz sicher nicht in Galloway erwartet haben. Das letzte Stück zum Campingplatz bestand sogar aus unbefestigten Straßen und tiefen Schlaglöchern. In der Rezeption des Campingplatzes erwartete uns ein nicht sehr gesprächiger Platzwart. Er kassierte und erklärte uns kurz, wo wir uns hinstellen können. Alles andere schien unsere eigene Aufgabe zu sein. Also sapzierten wir über den Platz, suchten Wasch- und Toilettenräume, „Grey water“- und Frischwasser-Stellen sowie den Spülraum. Außerdem versuchten wir mit dem Spaziergang die Erschöpfung und Aggression abzubauen, um den Abschluss den Schottland-Urlaubs nicht allzu negativ in Erinnerung zu behalten. Zu allem Unmut kam hinzu, dass die Bucht bzw. das Wasser, an dem ich den Texten nach, hoffte zu stehen, weit weg war und wir wir keinen direkten Zugang hatten. Das Wetter war auch nicht mehr sehr freundlich und der Abend war insgesamt gebraucht.

Nach diesem letzten Tag in Schottland erwartet uns morgen eine sehr lange Fahrt durch England. Der erste Rückreisetag steht an und führt uns an die Küste nach Südengland.

Stellplatz

Preis

£19,50

1 Stellplatz inkl. Strom
für 2 Personen

Route

Tageskilometer

249

Zwischenstopps

Logan Botanic Garden