14.06.2017. Mit dem Öffnen der Augen in aller Frühe realisierten wir, dass der erste Tag unserer langen Rückreise ansteht. Im Gegensatz zu den meisten vergangenen Tagen konnten wir heute nach dem Klingeln des Weckers nicht mehr lange liegen bleiben, denn es erwarteten uns etwa 720 km Fahrt mit Scotty. Von Schottlands Süden bis nach Pevensey in Südengland passieren wir, wie auf der Hinfahrt auch, diverse Großstädte. Die Distanz ist schon auf deutschen Autobahnen kein Zuckerschlecken, am Ende des Tages wusste ich jedoch, dass das auf englischen Straßen noch viel schlimmer ist.

Rückreisen sind selten etwas, auf das man sich richtig freut. Natürlich sagt man, dass es zu Hause am Schönsten ist, aber wir hätten nicht „Nein“ gesagt, wenn man uns noch eine vierte Woche in Schottland angeboten hätte. Eine Anfahrt fühlt sich gut an: man ist voller Erwartungen, freut sich auf Landschaften und Freiheiten. Eine Rückfahrt kann schon mal anstrengend werden, denn man hat bereits den Alltag im Kopf, sieht auf der Gegenfahrbahn andere Menschen in ihren Wohnmobilen und denkt sich, welch eine schöne Zeit sie in den kommenden Tagen oder Wochen in Schottland verbringen werden. Irgendwie möchte man doch nicht zurückkehren und dennoch ist man nicht froh darüber, aufgrund von stockendem Verkehr, Baustellen oder Unfällen mehr Zeit in Schottland oder England verbringen zu dürfen.

Der Himmel war heute bewölkt, die Temperaturen etwa so, wie wir es kannten. Wir waren nach der gestrigen Fahrt auch wieder im Lot und entspannter in unserer Gemütslage. Da wir vergangene Nacht sehr südlich in Schottland waren, hatten wir es bis Carlisle, das wir schon von der Anreise kannten, nicht mehr weit. Wie damals geschrieben, befindet man sich in England, wenn man diesen Ort auf der Autobahn passiert. Genau genommen verließen wir Schottland beim Ort Gretna Green. Es folgte erneut eine schöne und ruhige Fahrt durch Cumbria, vorbei am Lake District National Park. Während der Fahrt dachten wir, welch eine tolle grüne Hügellandschaft das ist und es sich hier bestimmt auch gut erholen lässt.

Mit dieser Ruhe und den Eindrücken war es aber bald vorbei. Auch in England existiert Berufsverkehr und unsere Route führte uns unweigerlich an Großstädten vorbei. Etwa auf der Höhe von Preston begann es auf der Straße voll und ungemütlich zu werden. Klar, wir befanden uns hier kurz vor Liverpool und Manchester. Was in Deutschland das Rechtsfahrgebot ist, sollte in England das Linksfahrgebot sein. Dass das existiert, konnte man anzweifeln, denn jeder fuhr, wie es ihm passte. Für den Verkehrsfluss ist das nicht gerade förderlich.

Weiterhin hatten wir sowohl ein Auge auf dem Navi als auch ein Ohr auf dem Radio. Bereits am Morgen las ich online, dass in London der Grenfell Tower brannte. Diese Tragödie hatte zur Folge, dass ein Autobahnabschnitt bei London komplett gesperrt wurde und wir lange nicht wirklich wussten, ob uns das betrifft und was das zeitlich für uns bedeutete, wenn es uns betrifft. Nach unseren gestrigen Erfahrungen mit dem Umleitungssystem, rechneten wir fast mit dem Schlimmsten. Im nächsten Stau, der noch vor Birmingham war, fand ich jedoch heraus, dass uns diese Sperrung nicht betrifft und wir vorerst locker bleiben können.

Mit Birmingham mussten wir die nächste Großstadt durchqueren. Hier ging es kaum vorwärts. Das Navi schickte uns kurzzeitig von der Autobahn runter und nach einiger Zeit der Irreführung wieder hinauf. Wir schworen uns, keinen Stau mehr zu umfahren. Je später es wurde, desto voller wurden die Straßen und die Stauanzeigen auf dem Navi mehrten sich. Mittlerweile schauten wir auch mit etwas Bauchschmerzen auf die Straßen ganz im Süden, die sich laut der Stauanzeige füllten. Langsam entstand die Frage in unseren Köpfen, ob die Engländer Ferien oder Feiertag haben, denn gefühlt, war heute ganz England auf den Straßen und jeden zog es irgendwie in den Süden und an die Küste.

Von den Straßen um London herum gibt es außer Stau nichts zu berichten. Also freuten wir uns bereits auf die Küste, denn die Wegweiser zeigten nach und nach bereits Brighton, Newhaven und Eastbourne an. Nach einigen weiteren Stop-and-Go’s kamen wir nach 9:13 h im Bay View Park in der Pevensey Bay an. Die Einweisung auf unseren Stellplatz erfolgte zügig und unkomplizert. Nach einem kurzen Snack gingen wir sofort an den Ärmelkanal, der nur wenige hundert Meter vom Campingplatz entfernt liegt. Aus den 12 Grad von heute früh wurden angenehme 23 Grad und strahlender Sonnenschein. Lebhafter Wind zwang mich in eine Softshell-Jacke zu schlüpfen, aber die Temperaturen und die Sonne ermutigten mich, die Füße in die Wellen zu stellen. Nach den kalten Tagen in Schottland war es ein herrliches Gefühl, in einem angenehm kühlen Wasser zu stehen, die Sonne zu genießen und somit einen versöhnlichen Abschluss auf der Insel zu haben.

Stellplatz

Preis

£26

1 Stellplatz inkl. Strom
für 2 Personen

Route

Tageskilometer

714